MARTIN a.d.H. FRANKE AUSTELLUNG BEHAVIOR IM KUNSTSAAL SOEST

Martin Franke Behavior

„BEHAVIOR“
– Bilder
16.1. - 8.2.2015
Eröffnung: Freitag, 16.1.2015, 19.00 Uhr
im Kunstsaal des Kunstvereins Kreis Soest

Klosterstraße 13
59494 Soest

Bis 1999 malte Martin Franke ausschließlich abstrakt und informell. In seinen frühen Werken setzt er sich in erster Linie mit rein formalen Themen der Malerei auseinander. Er betrachtet Malerei als die heute notwendige Ausdrucksform der Geschichtenerzählung und des kontrafaktischen Denkens über die Zeit, in Fortsetzung der Geschichte des Ausdrucks der Malerei und testet ihre Möglichkeiten in seinen Bildern aus. Ab 1999 wird abrupt der Mensch und sein Verhalten zum Thema, figurative Malerei entsteht durch Abnahme menschlicher Körper als Moment der Applikation, die letztendlich zu erzählerischen Bildmotiven werden. Die offenen Möglichkeiten einer Interpretation sind vielleicht das Ergebnis einer „Synthese“, die einer ausgewählten Komposition des Bildes vorausgeht. Die psychologisch und soziologisch intellektuellen Inhalte können mitunter autobiographisch gedeutet werden, lassen sich in einem erweiterten Sinne als ein Spiegel eines subjektiv wahrgenommenen Zustandes der Welt lesen und behandeln politisch und soziologische Themen.
Frankes Bilder nehmen Bezug zur Werbe- und dokumentarischen Darstellung, dem Plakativen in der Gesellschaft, zur Kunstgeschichte und zum aktuellen Zeitgeschehen. Sie sind oft großformatig, sehr bunt und von Kombinationen von detailliertem und grobem und pastosen Farbauftrag direkt aus der Tube erstellt.

Schon seit 1985 beschäftigte sich Franke mit menschlichen Darstellungen und nimmt in Anbetracht dessen Bezug zum menschlichen Verhalten. Die Erkenntnis, dass sich der Mensch in seinem Dasein mit konsumorientierten Verzierungen schmückt wird zum zentralen Thema. Mit seiner manchmal stark überladenen Formensprache formuliert der Künstler in immer neuen Ansätzen sein zentrales Thema: Das Verhältnis von Individuum und Kollektiv in der von Partei und Wirtschaft gelenkten kapitalistischen Gesellschaft. Seine Beobachtung hat ihn schmerzlich erleben lassen, dass die individuelle Freiheit des Einzelnen und die damit verbundenen Vereinsamung durch Warenabhängigkeit und Applikationen den Menschen selbst hat zur Applikation werden lassen; gleichzeitig bedeutet das den Verlust von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Aber, so sagt er: „Die Geborgenheit wird nur noch wahrgenommen in den eigenen vier Wänden in der Einsamkeit seiner angehäuften Applikationen, der Preis dafür ist der Leistungsdruck und gleichzeitig der Uniformitätsdruck des Wirtschaftskollektivs bis zur Aufgabe seiner Mündigkeit und dem damit verbundenen Wahrnehmung und dem daraus notwendigen Einspruch.“ Das eigene Selbstbewusstsein entsteht durch das Like der Anderen.
Mit seinen Werken diskutiert er die gesellschaftliche Entwicklung der westlichen Welt, die zu einer drastischen Veränderung der wirtschaftlichen, ökologischen, urbanen und sozialen Landschaft geführt hat und durchleuchtet die Möglichkeiten und Grenzen eines solch immensen Wandels kritisch. Franke entwickelt seine Bildwerke aus der Widersprüchlichkeit einer angebotenen Welt der Waren und der Fülle zur eigenen Kritikfähigkeit in diesem Rausch des selbstreferentiellen Wahnsinns. Seine kulturellen Erfahrungsmuster erscheinen als Fakt und bilden den Ausgangspunkt der Darstellungen.
Dabei bildet er eine überwiegend plakativ und willkürlich aufgebaute Farben- und Formensprache. Seine Bilder erinnern uns einerseits an Interpretationen der Gegenwart, andererseits nehmen sie auch die Antithetik des Barock auf. Die Figuren treten selten alleine auf, sondern häufig in Gruppen. Dennoch verkörpert der Einzelne trotz kollektiver Einbindung eine isolierte Existenz; jede der Figuren ist ersetzbar durch den Betrachter.
Typisch für seine Kunst ist das unlieb- ironische Zerbrechen von Gegenwart um eine Rückbesinnung auf Tradition und kulturellem Wissen geradezu herauszufordern.


Dazu Worte aus einem Interview:


„Wie ich dazu kam, kann ich nicht genau sagen, es gab eine Art Eigendynamik durch die Orientierung an dem Verhalten der Menschen in Bezug zu Werbung, Kommunikation und dem damit verbundenen Verhalten. Damit habe ich mich damals beschäftigt. Diesen Krempel habe ich bearbeitet und der beschäftigt mich noch heute. Die vermeintliche und interpretierbare deutliche Aussage ist damit in meinen Bildern wichtig geworden.
Das schwammige Vermeintliche, das absichtliche oder unabsichtliche Anlegen undeutlicher Aussagen und Fragestellungen hatten wir zur Genüge in der Kunst. An dieser Stelle sehe ich die Kunst heute nicht mehr. Selbst im Klaren und Deutlichen bleibt doch noch so viel Schwammiges, Undeutliches und zu Hinterfragendes. Also ist das so gekommen und wird an einigen Stellen in den Bildern mal klar und detailliert und dann wiederum an gleicher Stelle kraftvoll zerstörerisch mit Farbaufträgen und ergänzenden Formen vervollständigt die vielleicht an Bildern des Comic erinnern. Quasi irgendein Versuch des konstruktiven kritischen Zweifels. Wie in der Zeit des Barock beschäftige ich mich mit der Antithetik, eine Ebene in der das Kontrafaktische wichtig wird. Das Gezeigte deutet doch immer auf das Nichtgezeigte hin. In der Geschichte der Malerei, sowie auch im Barock, einer überladenen ästhetischen Hochkultur, ist die Darstellung mit Einzelbildern des Comic vergleichbar. Ausgang waren für mich die Appelle der Werbung die jeder kennt. Tu das, lass dies, glaub´das ... - Gebrauchsanweisungen für Verhalten aus den Medien eben... Daraus ist so eine Darstellung entstanden, in der man Weiteres der Geschichte erahnt und irgendeine Bedrohung oder eine Offenbarung, etwas Verdecktes, ein störendes Geheimnis vielleicht, hinterlässt eine Orientierung, … so ein Versuch der Orientierung durch das Plakative eben. Hinter dem Plakativen bleibt etwas verspieltes Kaputtes. Kurz gesagt, das Erahnen hinter dem Offensichtlichen.“


presse Ausstellung Kunstsaal Soest


BEHAVIOR
(Verhalten)

Der Mensch kann sich nicht nicht verhalten. Genau so wenig, wie er nicht nicht kommunizieren kann. Doch ist auch Kommunikation, zusammen gesetzt aus 20% verbalem Anteil und 80% Körpersprache, nur ein Teil von 100% Verhalten. Verhalten scheint somit universellen Charakter zu besitzen. Der Besucher der Ausstellung, - ich nenne jede meiner Einzelausstellungen "BEHAVIOR"-, tritt als sich Verhaltender in Kontakt mit den Darstellungen des Verhaltens und wird ein Teil des Kunstwerks und in gewissem Maße auch selbst zum Kunstwerk. Er tritt selbstreflexif oder aber in jedem Fall faktisch als Verhaltender in das Kunstwerk ein.
Auch schon beim Aufbau und im Angebot der Hilfeleistungen verschiedener Menschen wurde Verhalten vollzogen. Die Kunst aber kann Verhalten nicht beurteilen oder gar verurteilen. Die Kunst bleibt ausschließlich darstellend und legt etwas vor. Sie gibt ausschließlich Befehle wie "schau mich an", "kauf´mich", "denke", "sei Kontemplativ".
Das Verhalten darauf, das Verhalten zur Ausstellung "Verhalten" ist lediglich eine Randerscheinung wie der künstlich kulturgenerierte Besucherboykott als Verhalten des Rezipienten zu seinem vorherigen Verhalten generiert wird, der vielleicht lebenslangen Ignoranz der Kunst gegenüber, erzeugt also das eigene Verhalten ganz automatisch und notwendig wiederum das eigene Verhalten.


Die drei Symbole dazu:
        Les Trois Croix of Behavior





Einige Impressionen der Vernissage:

Kunstsaal Soest Behavior Martin Franke
Foto: Martin Franke

L1120054
Foto: Martin Franke

IMG 5114
Foto: Evelyn Ocón

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Foto: Evelyn Ocón

Zum Bild oben: Religion Fusion:
Ich nutzte ein Spiel, das ich entwickelte und stattete die Mulden mit den Symbolen fünf der großen Religionen aus. Alle Religionen benutzen die Gebetskette (Rosenkranz). Das Spiel wird nun mit den Edelsteinen nach den ursprünglichen Spielregeln gespielt. So wie die Anzahl der Steine in den Mulden zu liegen kommen, muss das    jeweilige    Gebet    der    Religionsrichtung gebetet    werden,    die    die    Mulde    zeigt. So wird es oft sein, dass der Mensch im Spiel das    Gebet    des    Anderen    spricht.
"Religion Fusion" verbindet Welten.
Nur eine Mulde ist golden und steht für jede andere Religion dieser Welt.


IMG 5122
Foto: Evelyn Ocón

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Foto: Evelyn Ocón

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Foto: Evelyn Ocón

 

An dieser Stelle noch einen lieben Dank für die Glückwünsche von "NO!art movement", Kreuzberg:


herzlichen glückwunsch und viel erfolg mit deiner BEAVIOR-show.
denke noch an deinen wunderbaren kommentar zur kunstmarktmanipulation:
http://manipulation.no-art.info/de.html#franke
und dein vormanifest von 2011:
http://feedback.no-art.info/de/2011_franke-manifest-1.html

grüsse aus kreuzberg
dietmar kirves
NO!art headquarters east




Es bleibt alles ein Teil des versachlichten Lebens. Das ist notwendig - auch wenn es einen Aufschrei gibt -.

Kunstsaal soest Ausstellung Martin Franke 1

Kunstsaal soest Ausstellung Martin Franke 2

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Applikationen

Die Auswirkungen des Verhaltens hängen nun zusammen mit der Erkenntnistiefe über die Reflektion des eigenen Applikationsstatus. Oder die Auswirkungen auf die Welt als Eigenschaft, als Applikation (Accessoires). Die Kunst als Mittel der Applikation, also als Applikation der Darstellung, benutzt die Applikation des Seins und die Applikation des Handelns, des Verhaltens, als Applikation der damit verbundenen weiteren Kritikfähigkeit. Die Kunst reflektiert nicht, sie zeigt nur das Weiteres folgt...
Kunst akzeptiert nicht die Selbstverständlichkeit von Kritiklosigkeit, Krieg, Hunger, Überbevölkerung, Jurys, Handtaschen, Deko und anderem applizierten Zeug... Kunst akzeptiert auch nicht die Nichtverwendung des vorherigen für Sie anstößigen Wortes !

Was ist denn geblieben im Seinszwang der Kritiklosigkeit. Wir haben erkannt, dass nur die Lüge auf die Wahrheit weist. So erkennt man alles vorerst als Lüge um überhaupt die Möglichkeit der Anerkenntnis von Wahrheitsfetzen zu finden. Der Schnuller wird das Symbol der Zeit, das Kreuz, das wir heute tragen. Versuchen sie es, nehmen Sie, egal in welchem Alter, einen Schnuller in den Mund und sagen Sie: " Ich Bin Unmündig ". Die Anerkenntnis der Unmündigkeit ist die Grundvoraussetzung zu einer daraus folgenden möglichen Wirklichkeitskonstruktion der Mündigkeit. Sie hielten sich für mündig, weil es laut Gesetz ab einem bestimmten Alter so zu sein scheint. Die Herausforderung der Anerkenntnis von Unmündigkeit setzt das Gesetz außer Kraft und die Erkenntnis, dass Sie in einer Welt leben in der Sie nicht wissen können ob Sie mündig sind oder nicht weil Sie einfach nur in dieser Welt leben. Das Symbol dafür ist der Schnuller, der wie man leicht erkennt, auch die Form eines Kreuzes aufweist.
Franke: " Die Unmündigkeit des Menschen ist universal und der Geltungsanspruch der Mündigkeit erfordert eine gewisse Selbstvermeidung ".

Weiteres folgt vielleicht...

 

 

Sie können mir eventuell zustimmen, das auch die Geste und die doppelte Kontingenz in das Verhalten mit der Applikation einfließen und dem Verhalten untergeordnet sind. Davon ausgehend, dass Verhalten seit Anbeginn der Menschheit ein notwendige Konstruktion ist, ist auch die Kunst als eingefrorenes movement ein Resultat aus dem Verhalten, der Geste unter der Bedingung der doppelten Kontingenz und der notwendigen benutzten Applikation.

 

 

Kein Mensch ist sich der Wirkung seiner Handlungen voll bewusst. Bewusst ist ihm im günstigsten Fall die Reaktion. Das Zufallsprinzip und die Unüberschaubarkeit der Wirkungen lässt ihn mehr oder weniger die daraus folgende Wirklichkeit für ihn subjektiv mehr oder weniger erkennen.
In der Kunst ist die Wirkung erkennbar, soweit man sie erkennt. Die Kunst hat auf vieles keine Wirkung außer auf sich selbst – und damit keine Wirkung; und sollte sie Wirkung zeigen, so wird sie vieles ersetzen. Das Verhalten ändert sich, Behavior kann nur Behavior hervorrufen. Das Handeln wird zum Verhalten und das Verhalten drückt sich aus. Aus der Fähigkeit die Größten und Kleinsten als Applikation des Seins zu erkennen folgt wenigstens die Mündigkeit eines Jeden, die Unmündigkeit als wesentliches Merkmal eines Jeden zu erkennen. Die handelnden Figuren sind bei Franke wesentliches Merkmal und setzen sich verzerrt und verschroben, plakativ, mit schrillen Farben versetzt und weiteren Applikationen aus der Weltgeschichte in Szene.
„Ich male das was ich sehe“

 

Gez.
Kommission zur Findung des Zeitpunkts an dem der Fortschritt schief gelaufen ist.
Der letzte Barock der Hochkultur findet jetzt statt. Der Feldzug der Kunst findet jetzt statt.


 

Zusätzliche Informationen