Das Beste zum Schluss



Das Beste zum Schluss

... so hieß der Titel der letzten Ausstellung im alten Dortmunder Ostwall Museum.
In Zukunft soll dieses Museum einem Altenheim Platz machen.

Unter dem Namen Museum am Ostwall wurde das Museum auf Beschluss des Dortmunder Rates im Jahr 1947 gegründet. Am ursprünglichen Standort des Museums (Ostwall 7) befand sich vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg das Gebäude des ehemaligen Landesoberbergamtes, welches ab 1911 die städtische Sammlung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte beherbergte.

Unter der Leitung von Gründungsdirektorin Leonie Reygers begann 1949 der schrittweise Aufbau der Sammlung. Der Neubau des Museumsgebäudes erfolgte unter Nutzung der Baumaterialien des zerstörten Museums für Kunst und Kulturgeschichte. Als eines der ersten deutschen Nachkriegsmuseen, die für die Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts gebaut wurden, konnte bereits 1949 im neuen Museum am Ostwall die erste Ausstellung gezeigt werden.

Die Sammlung war zunächst auf Werke ausgerichtet, die im Nationalsozialismus als „Entartete Kunst“ galten. 1957 wurde die Sammlung Gröppel, die rund zweihundert Gemälde, Plastiken und Graphiken umfasste, erworben.

2009 wurde das Museum von dafür initiierten Initiatoren geschlossen (Man schreibt gern, "Das Museum schloss seine Pforten").

Am 9. Juli 2013 wurde somit durch ein paar Initiatoren die Letzte Ausstellung in den Räumen des Ostwall Museums durchgeführt.
Sie riefen auf, sich zu bewerben. Sie wollten sehen, was dort kommt.
12 Künstlerbünde haben sich an der Ausstellung beteiligen wollen und wie geschrieben auch beteiligt. Künstlich hergestellte Bünde beteiligten sich an dieser Ausstellung.


Eine siebenköpfige Jury wählte aus 144 Bewerbungen 72 Künstler aus. Was ist da los ?
Allein die unverschämte Headline deutet auf die Struktur hin, - auf des geistes Kind eines jeden der Beteiligten. An dieser Stelle ist es der Kunst eigentlich schon zu trivial! Aber denken Sie selbst darüber nach, wer die Generierung von Superlativen nötig hat! Die Kunst auf jeden Fall nicht !
Ein paar Menschen, hoffentlich waren sie Meister in der Kunst, ich befürchte eher nicht, aber man wird es schon erfahren, taten sich hervor, um über etwas zu entscheiden, das sie selbst unter der Notwendigkeit der Beteiligung und vermutlich unter Vorgaben anderer Einflussfaktoren entscheiden sollten. Der Entscheider entschied. Es wurde nicht gezeigt, was nicht gewählt wurde. Der Besucher wurde wieder nur mit vorentschiedenen Werken abgefüttert. Wenn aber nun jemand relativ objektiv die Kunst und deren Sinn an dieser Stelle in Bezug zu Entscheidern und Jury und politischer Einflussnahme betrachten möchte, so kann er das wenig.

Ganz offensichtlich war allerdings, dass dort nicht gegen den Abriss aufgeschrien wurde. Es erschien eher als wenn dort hypnotisierte hedonistische Ichmönche auf Seiten der Künstler wie auch auf Seiten der Betrachter sich selbst zur Schau stellten. Es erschien wie eine Legitimationsabrissveranstaltung, ganz friedlich, kritiklos wie es nur eben die Situation zuließ. So auch die Werke ausgewählt, politisch sanft einlullend.
Jemand der gedacht hat, dass Künstler sich gegen den Abriss auflehnen, und dazu mal nichts zeigen, jemand der gedacht hat, dass ein Statement von Seiten der Kunst entsteht und sich die Künstler die Veranstaltung als ihrer Veanstaltung annehmen, hat sich geirrt. Überwiegend kritiklos in der Hoffnung eines unterbewerteten Ankaufs hielten alle ihre witternde Nase in den Wind.


Heute sind wir uns sicher, entartet kann nicht die Kunst sein. Entartet kann nur der Mensch sein und sein Denken über die Kunst. Entartet kann nur eine Art sein, aber nicht die Handlung. Entartet kann nicht die Art sein, denn die Art ist Art und nicht Entart. Somit keine Kunst oder abnorme Kunst? Ist die Kunst noch Kunst wenn sie immer wieder repetiert wird, aber mit der Erkenntnis und Wahrnehmung der Zeit in der sie entsteht nichts mehr zu tun hat. Keinen Bezug zur Vergangenheit, keinen Hinweis auf die Zukunft? Ist die Kunst noch Kunst wenn sie für die preisvergebende Gesellschaft nach Aufruf themenorientiert hergestellt oder gehangen wird? Ist die Kunst noch Kunst, wenn der Preis dafür die Aufgabe der Kunst ist ?
Können wir uns das Wort entartet noch leisten ?
Ist es die entartete Politik oder die entartete Wirtschaft dessen Schleim wir produzieren, damit wir ein wenig Preis bekommen?
(Ich wette, diesen Satz versteht die fernsehguckende Gesellschaft kaum noch)



Wer hat diese Deko ausgesucht, so teilte ein Zettel auf einem Rücken eines Besuchers mit. In einer Dekoveranstaltung der Politik lief ein Mensch herum, der sich selbst als Deko bezeichnete und die Frage stellte, wer ihn augesucht hatte. ("Wer hat diese Deko ausgesucht").
Das war der Allgemeinheit irritierend und, sie war damit zufrieden, dass es ihr irritierend war.

wer hat die Deko kl
Als Künstler bewerten? Natürlich.
Von Kultur und Politik bezahlte Kritiklosigkeit kann und wird die Kunst nicht unterstützen.
Das kann die Kunst gar nicht.
Das Scheitern als Erfolg verkaufen ist Menschengemacht.
Wir sollten wieder lernen scheitern zu können, oder?
Wir scheitern immerhin in jeder Disziplin.
Doch die Kultur und Politiknarren könnten sich bemühen ihr Scheitern, wenigstens für den Großteil der Menschen, zu reduzieren.

Na, dennoch hat die Ausstellung immerhin die Räume schön bunt gemacht, und das Beste, hier mal eine Superlative, es sind zum Glück keine Preise verliehen worden. - Oder kommen die Preisverleiher noch und geben ihre bornierte Zensur zum Besten ?




Manches ist geschrieben damit Mensch daraus lerne:

Picasso: Die Malerei ist ein scheitern, er scheitere jeden Tag.

 

Und Faust:

Ich wünschte sehr der Menge zu behagen,
Besonders weil sie lebt und leben läßt.
Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen,
Und jedermann erwartet sich ein Fest.
Sie sitzen schon mit hohen Augenbraunen
Gelassen da und möchten gern erstaunen.
Ich weiß, wie man den Geist des Volks versöhnt;
Doch so verlegen bin ich nie gewesen:
Zwar sind sie an das Beste nicht gewöhnt,
Allein sie haben schrecklich viel gelesen.
Wie machen wir's, daß alles frisch und neu
Und mit Bedeutung auch gefällig sei?
Denn freilich mag ich gern die Menge sehen,
Wenn sich der Strom nach unsrer Bude drängt,
Und mit gewaltig wiederholten Wehen
Sich durch die enge Gnadenpforte zwängt;



MEPHISTOPHELES.
Wenn dir’s beliebt, so bin ich auch bereit,    
Dir zur Gesellschaft hier zu bleiben;
Doch mit Bedingnis, dir die Zeit
Durch meine Künste würdig zu vertreiben.
FAUST. Ich seh es gern, das steht dir frei;
Nur daß die Kunst gefällig sei!
MEPHISTOPHELES.
Du wirst, mein Freund, für deine Sinnen
In dieser Stunde mehr gewinnen
Als in des Jahres Einerlei.
Was dir die zarten Geister singen,
Die schönen Bilder, die sie bringen, 

Sind nicht ein leeres Zauberspiel.
Auch dein Geruch wird sich ergetzen,
Dann wirst du deinen Gaumen letzen,
Und dann entzückt sich dein Gefühl.
Bereitung braucht es nicht voran,    
Beisammen sind wir, fanget an!





Ein Bild eines F(l)ugblatts, das dort von Künstlern verteilt wurde:
die Kunst ist tot

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